Gülz erteilt Hausverbote

Diese verdammten Germanisten. Die sind überall. Die haben den ganzen Tag nichts besseres zu tun als meine schönen Texte zu zerpflücken und mir meinen Schiller schlecht zu reden. Was haben die denn in den letzten Jahren schon alles geleistet? Nichts, gar nichts. Dass ich gut bin, das braucht ihr mir nicht hundertzwanzig Mal zu sagen, das weiß ich auch selbst! Also lasst es sein und macht was Vernünftiges! Aber ihr hört ja nicht auf mich, ihr habt ja immer diesen Drang in euch, alles analysieren und kompliziert machen zu wollen. Z.B. in der „Ode an die Freude“, da interpretiert ihr einen Unsinn rein, dabei geht es dort doch nichts weiter als um die Freude. Schiller hätte sich im Grab umgedreht, wenn er hören würde, was ihr da immer so dazudichtet. Und letztens wollte mir einer von euch, ich glaube, er war sogar Professor, weismachen, dass es die Klassik als Epoche gar nicht gibt. Aber wisst ihr was? Dieses dumme Gefasel geht mir auf die Nerven, und wie! Und dann wollte der mir auch noch erklären, wie ein Schriftsteller schreibt und was da für Prozesse ablaufen beim Schreiben. Und da ist mir fast der Kragen geplatzt. Da hab ich dem gesagt: „Wissen Sie was, was Sie hier sagen, das ist totaler Dünnschiss. Ich weiß wie man schreibt, denn ich bin selbst Dichter!“

Und damit ich nicht immerfort Ärger mit euch geisteswissenschaftlichen Pack habe, erlasse ich jetzt folgende Regel: Germanisten und Gleichgesinnte haben bei meinen Lesungen künftig Hausverbot, dass das klar ist! Wenn ich einen von euch erwische, der kann sich frisch machen. Ich mache jetzt Kampfsport.

Gülz (Dichter)