Jahresvorschau 2012

Januar: Bei den Feierlichkeiten zum 10. Jahrestag der Einführung des Euro in der „Affentor-Schänke“ in Frankfurt am Main greift Angela Merkel hart durch: Der griechische Ministerpräsident Lucas Papademos muss auf der eher müden Party kellnern, sein italienischer Amtskollege Mario Monti wird dazu verdonnert, am Ende feucht durchzuwischen.

Februar: Auf der 62. Berlinale setzt sich überraschend der neue Film von Til Schweiger durch. In dem existenzialistischen Sozialdrama „Der Furz auf der Gardinenstange“ beeindruckt in der Hauptrolle vor allem der ebenfalls preisgekrönte Matthias Schweighöfer als mittelmäßig talentierter Schauspieler, der sich durch Größenwahn zur Witzfigur macht und sein Leben in den Ruin treibt.

März: Bei den Präsidentschaftswahlen in Russland siegt nach ersten Hochrechnungen der Kandidat der neu gegründeten „Nazikommunistischen Einheitspartei“ Igor Ubiistvo. Dem demokratischen Westen gelingt es durch Sanktionsandrohungen jedoch, eine Korrektur des amtlichen Endergebnisses zu erreichen, was Wladimir Putin eine weitere Amtszeit ermöglicht.

April: Der „Lurch des Jahres“, die Erdkröte, gerät ins Zwielicht, als die Bild-Zeitung enthüllt, dass es sich bei ihr um jenes ekelhaft warzige Tier handelt, das gemeinhin unter den Namen Lork, Krott, Hutsche, Broz, Padde, Netze, Thaaschen, Toosche, Tooschkrott, Aefk, Muggel und Mummel bekannt ist.

Mai: Beim 57. Eurovision Song Contest holen für Deutschland die ehemaligen Erzfeinde Bushido und Sido gemeisam den Sieg mit ihrem Duett „Ihr Tunten seid schon okay“. Vereinzelte Kritik löst ihr provokanter Zungenkuss vor laufender Kamera aus.

Juni: Schneller als gedacht kehrt Thomas Gottschalk zum ZDF zurück und übernimmt wieder die Moderation von „Wetten, dass..?“. Sein zwischenzeitlicher Nachfolger Wolfgang Lippert hatte sich in der Gunst des Publikums nie recht durchsetzen können.

Juli: Im Finale der Fußballeuropameisterschaft siegt das Emirat Katar mit 14:1 gegen die Mannschaft Griechenlands. Sepp Blatter weist alle Manipulationsvorwürfe zurück.

August: Bei den Olympischen Sommerspielen in London kommt es zu den befürchteten Ausschreitungen. Der Wettbewerb der Geher wird ohne Ergebnis abgebrochen, weil alle Teilnehmer vor pöbelnden Gangs davonrennen und disqualifiziert werden müssen. Nicht besser ergeht es den Schwimmern, denen unter Wasser vielfach von betrunkenen Riot-Girls die Badehosen heruntergezogen werden. Einzig den Hockeyteams gelingt es, mit Hilfe ihrer Schläger das Spielfeld zu verteidigen.

September: In Umfragen rutscht die FDP auf 0,5 Promille ab. Der neue Vorsitzende und Hoffnungsträger Rainer Brüderle beschwichtigt: Immerhin wähle ja noch eine klare Mehrheit der FDP-Mitglieder die FDP. Auf einem außerordentlichen Bundesparteitag fordert der Parteichef ein geschärftes Profil und erläutert seine neue programmatische Leitidee eines mitfühlenden Zynismus.

Oktober: Star der Frankfurter Buchmesse ist Erfolgsautor Thilo Sarrazin, der sich mit seinem belletristischen Debüt „Trockensteppe“ überraschend ins Gebiet des erotischen Romans wagt. Das Buch schildert ohne Tabus und mit tristem Realismus die Erfahrungen eines fiktiven Pensionärs mit der sexuellen Dauerverweigerung seiner frigiden Hausfrau.

November: Das Bundesverfassungsgericht verbietet wie erwartet die NPD. Tausende ehemalige Nationalsozialisten werfen sich auf den Straßen der Republik weinend in die Arme ihrer ausländischen Mitbürger, bitten um Vergebung und geloben, sich nunmehr endlich in die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu integrieren.

Dezember: Die Götter der Maya kehren auf die Erde zurück und erheben die Menschen in eine neue spirituelle Dimension. Nur der Dresdner Max Rademann bleibt am Tresen sitzen, weil er „sein Bier noch austrinken“ möchte.

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