Verspäteter Nachruf

Nicht nur weil ein guter Freund mir berichtete, dass er in Japan Dörrfleisch an Rehe verfüttert habe, oder dass im Land der aufgehenden Sonne Dildos, welche der Hand eines Rockstars nachempfunden sind, im Warenregal direkt neben dem Kinderspielzeug stehen, sondern auch weil die japanische Musiklandschaft vor herausragender Bands nur so strotzt, muss ich dies jetzt loswerden.
Es war bereits am Sonntag in der Groovestation, als ich die legendäre Noise-Rock Kapelle (so nennt man diese Musikrichtung wohl im Fachjargon) Melt Banana aus Tokyo erleben durfte. Ein Gedicht! Wenn auch ein lautes, gekreischtes. Und weil die Begeisterung über dieses grandiose Konzert in mir heute immer noch nicht verhallt ist, muss ich diesem Abend einfach an dieser Stelle ein paar Zeilen widmen.
Das man mit soviel Präzision und Leidenschaft drauflos prügeln kann,… mir fehlen die Worte. Zudem ist es immer wieder ein Erlebnis, wenn relativ zierliche Frauen den Bass schruppen. Oh Gott war das FETT, wie diese kleine Person ihre Riffs runterspielte. Mir war permanent wie kreischen. Völlig unaffektiert bearbeitete sie ihr Instrument mit absoluter Professionalität. Natürlich war dabei stets der Verzerrer an.
Ebenso faszinierend: das Heraustreten der Halsschlagader von Frontfrau YaKo, wenn sie ihre Vocals in den Äther schmetterte. Energie pur.
Auch die beiden Herren an Gitarre und Schlagzeug – absolute Souveränität. Rätselhaft, wie der Schlagzeuger einfach nicht ins Schwitzen kommen wollte. Die sind schon irgendwie anders als wir, die Japaner.
Leider stand ich, meines fortgeschrittenen Alters gemäß, seitlich zur Bühne, obgleich ich mir gerne im Inferno des nicht zu kurzkommenden Pogo fast gerne mal wieder eine blutende Nase geholt hätte. Wie früher (ach ja).
Ich bin jedenfalls gleichermaßen erstaunt und erfreut über die Tatsache, dass ich mich doch noch für musikalische Ausschweifungen jenseits von Funk und Soul begeistern kann. Endlich mal wieder ein Livekonzert bei dem es ordentlich geraucht hat. Ich werde noch eine ganze Weile in stiller Demut davon zehren. Danke Japan. Danke Melt Banana.

Beteilige dich an der Unterhaltung

3 Kommentare

  1. beneidete dich ein wenig um dieses erlebnis, wenn mich denn neid jemals heimsuchen würde, dennoch glaube ich, daß ein gelungenes Konzert aus vielen Zutaten besteht, die bewußt und unbewußt, auf jeden Fall gleichzeitig von den Zuhörern aufgenommen werden, die „Energie“ befindet sich inmitten dieser Zutaten, sie kann also extrem hoch, geiii-jjjelll, astronomisch, galaktisch wie auch immer sein, nur eben nicht „pur“…

  2. ich war im moshpit drinne war dannach 2tage verspannt ne beule und dann der daumen gestaucht juchuu

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