Woche der Kontraste

Es kommt vor, dass man von Zeit zu Zeit – angeschlagen von der Vielzahl der Auftritte – vergisst, was man eigentlich an seiner literarischen Subkultur hat. Doch dann hat man wieder einmal die Ehre, an einer herkömmlichen Lesung der traditionellen Subventionskultur teilzunehmen und weiß wieder, warum man sich – ihrer einmal entwöhnt – nicht mehr so recht dafür begeistern kann.

So saß ich jüngst in einem Dresdner Theater, vormittags, und war eingeladen, aus Uwe Timms autobiografischer Erzählung Am Beispiel meines Bruders zu lesen. Die Presse hatte von der Veranstaltung irgendwie keinen Wind bekommen. Den Eintritt bezahlt haben dann acht Leute, von denen ich vier eingeladen hatte. Danke, Schatz! Die waren aber sehr gut betreut: von einer Kassiererin, zwei Garderobenfrauen, einem Techniker, dem Theaterchef und der künstlerischen Leiterin, die sich so intensiv auf das Thema (Zweiter Weltkrieg, Nazis und so) vorbereitet hatte, dass ihr bei der Vorstellung mein Name entfallen war. Immerhin blieben bei der unvermeidlichen Podiumsdiskussion im Anschluss die üblichen Wortmeldungen von Selbstdarstellern aus und es kam ein ganz angenehmes Gespräch zu Stande. So ein intimer Rahmen hat ja auch Vorteile.

Ach, wie erquickend und belebend war dann die gestrige Lesebühne! Es war sicherlich eine der schönsten überhaupt bisher, ungefähr 80 sehr aufgeschlossene und heiter gestimmte Leute lauschten unseren neuesten Texten. Ich geb’s zu, ein wenig stolz bin ich schon auf meine Geschichte mit dem Titel Franziska und der Kaffeehausstecher – aber ich wurde dazu auch inspiriert von den zwei ebenso talentierten wie reizenden Leipziger Autorinnen Franziska Wilhelm und Clara Ehrenwerth, die ich von dieser Stelle aus mal herzlich grüßen möchte. Ich freu mich schon wie Bolle auf die nächste Lesebühne am 08. März – dann habe ich hoffentlich auch meine nächste Georg-Geschichte fertig. Und Max wird endlich seine größten Erfolge live an der Orgel präsentieren!

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