Anmerkungen zum MDR-Literaturpreis

Heute las ich in der Sächsischen Zeitung vom MDR-Literaturpreis. Die Redakteurin schwärmte geradezu vom Sieger und lobte seinen und auch alle anderen Sieger-Texte als stilistisch einwandfrei, denn die Preisträger hatten pflichtgemäß (!) und meisterhaft den Judith-Hermann-Stil kopiert. Als ich das gelesen hatte, dachte ich, mich hackts. „Sind die total bescheuert!“, brüllte ich meine Freundin an. Und fast hätte ich mich dabei an meinem Müsli verschluckt.

Gestern hatte ich bereits Teile des Siegertextes im Radio gehört und heute im Internet gelesen und kann dem Sieger nur mein Bravo bekunden, einen „brisanten“ Stoff auf derart langweilige Weise darzubieten, das können doch eigentlich nur Leute, die an Literaturinstituten studiert haben.

Mit kleinen pseudo-witzigen Wörtchen wie „Arsch“ wird versucht Radikalität vorzutäuschen. Und das mit Erfolg. Die Rentner schütteln empört darüber den Kopf und die Juroren haben sich schon vor Wochen ihren Teil dazu gedacht: Mensch, der ist aber krass und vor allem lustig: ha ha ha. „Witzigkeit kennt keine Grenzen!“

Ewige Rückblenden, Beschreibungen und ewig lange Gedankengänge im Text, den ich persönlich in drei/vier Sätzen abgehandelt hätte, lassen mich fragen: was will denn der Text überhaupt von mir? Berührt er mich? Nein! Macht er Lust auf mehr? Nein! Hat er einen Nutzen? Nein! Wie viele ähnliche Texte zu solch überaus „brisanten“ Themen, wie sie in der SZ aufgeführt werden (alternde Männer/Frauen, demente Mutter im Altersheim, alkoholkranker Vater in der Klinik etc.) gibt es bereits: Mehr als eine Million.

Fazit: Die „neue“ deutsche Literatur wird dem „neuen“ deutschen Fernsehen immer ähnlicher: Keine Lust auf Experimente. Ergo: Wiederholungen, tote Hose, Stagnation.     

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