Diskussion: Literatur in Dresden

Am 18.07. waren Stefan Seyfarth und Michael Bittner eingeladen, an einer Diskussion zum Thema „Literarisches Leben – In Dresden nichts Neues?“ teilzunehmen. Ort des Geschehens war die Buchhandlung Dresden Buch, die von Dr. Thorsten Tonndorf vor kurzem in der Nähe des „Goldenen Reiters“ (Neustädter Markt 6) eröffnet worden ist. Außerdem diskutierten: Norbert Weiß, der Dresdner Schriftsteller und Herausgeber der Literaturzeitschrift SIGNUM sowie Eckhard Heinicke vom Dresdner Universitätsverlag.

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Leider waren nur wenige Interessierte gekommen – vielleicht schon dies ein Hinweis auf ein gewisses Defizit an literarischer Kultur in der sächsischen Residenzstadt, über das sich die Diskutanten weit gehend einig waren. Dresden fehlt schlicht jene Vielfalt an großen Verlagen, literarischen Institutionen, interessierten Medien und überregional ausstrahlenden Festivals und Messen, die eine Literaturmetropole ausmacht. „Dresden gilt weithin nicht als Literaturstadt.“ Mit diesem zutreffenden, aber auch das Gegebene ambitionslos fortschreibenden Satz beginnt bekanntlich das Literatur-Kapitel des Dresdner Kulturentwicklungsplans. Dabei mangelt es durchaus weder an renommierten Autoren der älteren Generation noch an einer lebendigen jungen Subkultur.

Zu Recht beklagte Stefan, dass innovative und populäre Formate wie der livelyriX Poetry Slam, die Dresdner Lesebühne sax royal oder die verschiedenen Offenen Bühnen zwar überwältigenden Erfolg beim studentischen Publikum haben, vom eher traditionell ausgerichteten Kulturbetrieb der Stadt aber zumeist ignoriert werden. Umgekehrt bleiben klassische Lesungen selbst bekannter Autoren oft erschreckend leer. Aus Verlegersicht merkte Eckhard Heinicke an, dass gerade die große Selbstbezogenheit vieler Dresdner Schriftsteller ihrer bundesweiten Rezeption und Vermarktung eher im Wege stünde. Hier trägt freilich auch die einseitig „barocke“ Selbstvermarktung der Stadt eine Mitschuld, die ihrer lebendigen Gegenwart schon längst nicht mehr gerecht wird und ein gerade literarisch wenig attraktives Image produziert. Schließlich schlossen sich alle Diskutanten und Gäste der Meinung von Norbert Weiß an, das ein echtes Literaturhaus, wie es in allen anderen Großstädten Deutschlands selbstverständlich ist, für Dresden ein großer Gewinn und Schritt nach vorn wäre.

Auch wenn sich die Breitenwirkung der Diskussion in Grenzen halten wird, war das Gespräch für die anwesenden Teilnehmer und Gäste, die sich größtenteils zum ersten Mal persönlich kennen lernten, doch erhellend. Und allen an Literatur über Dresden Interessierten sei an dieser Stelle ein Besuch in dieser neuesten Dresdner Buchhandlung empfohlen.

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