Es ist wieder Uni!

Jawohl, ich befinde mich in einem nahezu unmenschlichen Zustand zwischen den Stühlen Semesterferien und Semester, es ist kurz nach neun, die Unibibliothek öffnete ihre weichen Pforten nur mir zu Liebe und ich bin schon eine Weile wach. Seit um 3 saß ich im geisteswissenschaftlichen Zentrum der Uni Leipzig und erwartete trunken (schlaf und freunde) die Einschreibung in die Mittelalterseminare. Es ist wahrhaftig beeindruckend, wie Menschen, die noch im einen Moment friedfertig schlafend auf dem Boden liegen, sich im nächsten Moment mit voller Wucht gegen einen drücken, weil sie in den Einschreiberaum zu Frau Jäger wollen. Und die ist heiß, aber das ist nicht der Grund, der Grund sind Seminare über das Vogtland im Mittelalter und die Mätressen des (zu Unrecht) aus dem kollektiven Gedächtnis verschwundenen Königs Konrad III. Und dann stehen wir da (Tempuswechsel zur Erhöhung der Spannung!) und mein Gesicht drückt sich gegen die orangene Tür, aber ich komme nicht rein von schräg links, denn ein Keil treibt pflockartig von hinten Mitte nach vorn, um alles an der Seite liegende zu verdrängen. Man verliert sein Gesicht und muss sich die ganze Zeit von Kommilitonen zerquatschen lassen -Ach Julius, da biste aber auf verlorenem Posten, haha!- die einmal mit einem bei einer Vorlesung in der gleichen Reihe gesessen haben.

Durch geschicktes Umgreifen und den richtigen Satz im richtigen Moment – „So, jetzt gehen alle mal einen Schritt zurück, damit die, die schon fertig sind raus können ausm Raum!“ – katapultiere ich mich an den Anfang der Schlange. Ich bin die Spitze des Schwertes. Der Studentenschaft, der dummen. Dieses Gefühl ist besser als der Hass gegenüber den Leuten, die erst um 7 gekommen sind und trotzdem wieder eher im Raum drin waren als ich. Keine Ahnung, welche geheime Macht sie treibt.

So. Jetzt bin ich stolzer Besitzer eines Sitzplatzes in Prof. Eberhardts Hauptseminar zur Krise des Spätmittelalters. Prof. Eberhardt ist noch so ein richtiger Wissenschaftler mit Rauschebart und nikotingelb verfärbtem Kaiser-Wilhelm. In seinen Vorlesungen verbraucht er ein Drittel der Zeit, um Sekundärliteratur anzuschreiben. Der kennt das Wort Polylux nur ausm ZDF. Aber nett ist er. Was ich mir von dem Seminarplatz kaufen kann, warum Julia echt nett ist, trotzdem sie aus Franken kommt und warum alle Leute Volki (Niedlicher Mini-Mensch) hassen, erzähle ich ein andermal. Jetzt gehe ich schlafen.