Humortipp: Bill Maher

Die Grenze zwischen Ernst und Spaß, die in Deutschland von kulturkritischen Mauerschützen strengstens bewacht wird, ist in den Vereinigten Staaten von Amerika überraschend durchlässig. Erst letztens zog der Satiriker Al Franken als demokratischer Senator von Minnesota in den Kongress ein. Andere politische Komiker („Kabarettisten“ im klassisch deutschen Sinne hat Gott den USA nicht geschenkt) nehmen ganz selbstverständlich an Diskussionen mit politischen Kommentatoren teil. Als Politiker gehört es zum guten Ton, humorvoll zu sein und über sich selbst lachen zu können. Präsidentschaftskandidaten stellen sich in Late Night Shows vor. In Sendungen wie der Daily Show folgen auf Stand-Up-Comedy umstandslos Diskussionen mit den Autoren aktueller politischer Sachbücher. So weit, so affirmativ, wird der geschulte Neomarxist jetzt sagen.

Die Einleitung sollte aber nur ein wenig Verständnis für die außergewöhnliche Mischung von Polit-Talk und Comedy wecken, die Bill Maher in seiner Show Real Time (HBO) präsentiert. Maher begann seine Karriere als Stand-Up-Comedien, spielte dann in den Neunzigern in schlechten Filmen und Sitcoms mit, bevor er sein wirkliches Talent als Satiriker entdeckte. Bekannt wurde er durch die Show Politically Incorrect, eine halb politische, halb humoristische Talkshow. Da amerikanische Künstler, Schauspieler und Journalisten im Gegensatz zu deutschen keine Angst davor haben, politische Positionen zu vertreten, machte eine solche Mischung auch Sinn. Nach den Anschlägen vom 11. September verlor er seinen Job, weil er öffentlich diejenigen kritisierte, die die Terroristen feige nannten: „Staying in the airplane when it hits the building, say what you want about it, it’s not cowardly.“ Bald jedoch hatte er mit der Sendung Real Time eine ähnliche Sendung auf einem neuen Sender. Dort wiederum legte er sich nicht nur mit George W. Bush an, sondern auch handgreiflich mit Verschwörungstheoretikern, für die George W. Bush hinter den Anschlägen des 11. September steckt. In Deutschland hat er erste Bekanntheit in letzter Zeit mit seinem religionskritischen Film Religulous erlangt. Was Maher so interessant macht, ist seine verquere politische Einstellung, die sich nicht ins übliche Schema  pressen lässt. Er vertritt eine Richtung, die man in den USA als „libertarian“ bezeichnet: in gesellschaftlichen Fragen liberal, säkular, gegen kriegerische Interventionen im Ausland, aber auch gegen die Kontrolle des Staates in Kultur und Gesellschaft. Schließlich und vor allem ist er aber außerdem noch witzig, wie man auf YouTube selbst erleben kann – z.B. in diesem Stück, dass sich mit der wohl auch in Deutschland nicht unbekannt gebliebenen rechtsradikalen Vizepräsidentschaftskandidatin beschäftigte:

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