Juli Zeh ist einverstanden

In einem Interview unter dem Titel „Für Besitz muss man sich nicht schämen“ hat die Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung die Schriftstellerin Juli Zeh (34) nach ihrem Verhältnis zum Geld befragt und interessante Ansichten hervorgelockt. Die Autorin gesteht, in der Zeit ihres Studiums beim Leipziger Literaturinstitut noch „Kapitalismus-Verweigerer“ gewesen zu sein und mit ihren Freunden die naive Ansicht geteilt zu haben, Geld zerstöre den Charakter und die künstlerischen Fähigkeiten. Das sei nun vorbei: „Wahrscheinlich, weil ich spießig geworden bin.“ Seit sie nun über genügend Geld verfüge, habe sie endlich Gefallen daran gefunden, es zu verprassen: „Ich habe gerne schöne Sachen.“ Da ist schon mal ein „perfektes Arbeitszimmer“ für „Ein paar Tausend Euro“ drin. Aber Juli Zeh denkt natürlich auch an die Allgemeinheit und tätigt „Investitionen in die ostdeutsche Baubranche“. Das schafft Arbeit, denn: „Ich kann keine Glühbirne auswechseln, also lassen wir alles machen.“ Die neue Mission, der sich Juli Zeh verschrieben hat, ist es, die Deutschen von ihrem anti-kapitalistischen Reflex zu heilen. „Alles ist böse, was mit Geld und Wirtschaft zu tun hat. Geld ist gesellschaftlich geächtet.“ Schlimm! Aber warum dieses schlechte Gewissen? Es ist doch so einfach: „Wenn ich Geld verdiene, steht es für eine gute Leistung; wenn ich es ausgebe, für meine Wertschätzung.“ Und da das alles so einfach ist, warum nicht gleich im globalen Maßstab: „Und die Globalisierung – dieser inhaltsleere Begriff – wird als Drohkulisse aufgebaut, als übermächtiges Kapitalismus-Monster.“ Dabei übersehen alle immer die segensreichen Wirkungen des Kapitalismus: „Menschen und Staaten, die miteinander Handel treiben, führen keinen Krieg gegeneinander.“ Aber Juli Zeh ist natürlich nicht naiv, sondern bleibt kritisch: „Natürlich ist nicht alles Sonnenschein.“ Gut, dass wir uns in Deutschland auf so hellsichtige und optimistische Intellektuelle wie Juli Zeh verlassen können: So ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis alles Sonnenschein ist.

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4 Kommentare

  1. buuuuhhhoooaarrrhhh! 1000 euro pro monat! daß die mal so weit unten war, wahnsinn!…drunter ist nur noch dieses interview… naja, vielleicht hatte sie einfach keinen guten tag und die süddeutsche lust sie abzuschießen? wenn beides nicht zutrifft, werde ich sie wohl in meiner bibliothek bei „philosophen heute“ rausnehmen und zu hera lind stellen… (oh mist, sehe gerade, daß ich von beiden gar kein buch habe)

  2. autoren und -innen werden doch gern visionen von hoffnung und vernunft unterstellt und abgefragt, selbst wenn diese behaupten nur zu beschreiben…
    vielleicht wollte juli teile des publikums davon heilen? dann wäre dies interview einfach nur fair

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