Die gute alte Goethezeit

Göthe boxte sich gewöhnlich bei Landparthien mit dem Kammerherr v. Einsiedel manchmal so ernstlich, das Blut darnach floß. […]
Oft setzte sich Göthe mit Einsiedeln grade unter den Tisch, wo gedeckt war, auf den Boden und spielte paschen mit ihm in Würfeln. Einsiedel hatte beständig ein paar Würfel in der Westentasche, u. wo sie ankamen, wurden diese sogleich hervorgehohlt, u. zum großen Erstaunen der Amtleute u. Pächter, die mit dem Huth in der Hand die Minister des Herzogs bewillkommten, auf der Treppe oder auf den Steinen vor der Thüre gleich exercirt.
Einmal (bei Bertuchs Schwiegervater) machte man Einsiedeln, der gern lang im Bett liegen blieb, aus geriebenen u. eingerührten Pfefferkuchen eine Sauce unter den Hintern ins Bettuch, weckte ihn nun, u. schrie auf ihn, als einen Bettverunreiniger, los. Er sprang auf, zog das besudelte Hemde aus, und verfolgte damit neckend alle Leute im Hause. Göthe warf unterdessen das Bettuch durch ein Loch in die Unterstube, u. brüllte: seht die Sau!

(Karl August Böttiger: Literarische Zustände und Zeitgenossen. Begegnungen und Gespräche im klassischen Weimar. Hg. von Klaus Gerlach und René Sternke. Berlin: Aufbau, 1998, S. 39f.)

Beteilige dich an der Unterhaltung

1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.