Royaler Urlaub: Sonntag

Die Mittagssonne blinzelte durch die Gardinen, im Ofen knisterte das frisch angeschürte Feuer, in der Küche klirrte das Geschirr auf dem Frühstückstisch, als fünf Helden in Waltersdorf im Schatten der Lausche erwachten: Roman, Axel und ich in ihren Betten, Max auf dem Sofa in der Küche, Julius im Sessel der Wohnstube. Leif und Stefan, die sich am vorigen Abend nach zwei Gläsern Eierlikör vernünftigerweise schon um 12 ins Bett verabschiedet hatten, bereiteten für ihre Freunde ein Festmahl vor.

Axel und Julius mussten sich leider schon tagsüber verabschieden – die verbliebenen Royalisten gaben ihren Plan einer ausgedehnten Bergwanderung angesichts stürmischen Regenwetters widerstrebend auf. Stattdessen kuschelte man sich an den antiken Kachelofen, lauschte klassischer Musik und meditierte über den Segen des geruhsamen Landlebens. Kurzum, man betrieb das, was man anderswo Chill-Out nennen würde. Dass am Abend dank überschüssigen Kräuterschnapses die Stimmung doch wieder stieg, wird den geneigten Leser kaum überraschen. Weniger erwartbar hingegen war, wie Max sich zum Märchenonkel aufschwang und uns alle mit Schwänken aus seiner Jugend bis in die tiefe Nacht hinein unterhielt. Kein Scheiß: Die Geschichten, die Max da aus seiner Adoleszenz im erzgebirgischen Raum vorbrachte, würden für drei Romane reichen. Uns zwar für drei sehr gute. Hoffen wir alle, dass er eines Tages auch die Zeit finden wird, sie aufzuschreiben. Ich hatte mir vorgenommen, an diesem Sonntag zeitiger ins Bett zu gehen: Und tatsächlich, es war erst halb vier als ich den Reißverschluss meines Schlafsacks zuzog.

Am nächsten Morgen brachen wir zeitig auf, um nach Dresden zurückzukehren. Eine Maßnahme, die sich bezahlt machte – mussten wir doch zahlreiche unfreiwillige Pausen einlegen, weil die Scheibenwischer von Stefans Auto sich nur durch Abstellen des Motors ausschalten ließen. Sic! (Und es frage bitte nicht schon wieder einer, was „Sic!“ bedeute.)

Es war ein bezauberndes Wochenende, das Schule machen könnte. Sax Royal möge ewig leben! Und wäre da nicht der monetäre Verdienstzwang des kapitalistischen Schweinesystems – man könnte sicher sein, wir blieben zusammen, bis dass der Tod uns schiede.

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