Glückstag!

Wie Micha in seinem kleinen Rückblick schon andeutete, war es an mir, die Ehre der Lesebühne am Donnerstag zu verteidigen. Zuvor aber sei gesagt, dass, wenn jemand aus der Vorrunde unverdient ausgeschieden ist, dann ja wohl Micha und Sulaiman Masomi. Es ist immer wieder ungerecht, wenn gleich starke Texte unterschiedlicher Slammer unterschiedlich bewertet werden wegen der Platzierung der Poeten, mit anderen Worten, Michas Startplatz sorgte für seinen Rauswurf. Aber Konjunktive machen auch nicht glücklich. Ich jedenfalls bin nach wie vor der Meinung, dass Micha nicht nur ein würdiger Halbfinalist wäre, sondern eigentlich genau so gut Präsident irgend eines Landes sein könnte. Toller Auftritt, wirklich.

Ich nun war in Vorrunde 5 dran, mit Größen wie Team LSD, Team Tübingen (letztes Jahr in dieser Reihenfolge Erster und Zweiter im Team-Finale), Mischa Verrollet und Lara Stoll. Die Losfee bescherte mir den 5. Startplatz , auch nicht so gut angesichts der Nachfolgenden (zum Beispiel die beiden Oben genannten Teams, dazu Team Füg/Heyel und Andy Strauß. Ich konnte demnach mit 43 von 50 möglichen Punkten, aber einer sehr gelungenen Performance nicht wirklich glücklich sein, da sich die Stimmung im Publikum normalerweise immer zum Ende hin hochschaukelt und die Jury bessere Noten verteilt. Ich lag hinter Mischa Sarim-Verrollet auf dem zweiten Platz. Doch das Wunder geschah. Die Jury war entweder gut instruiert worden oder ließ sich tatsächlich nicht anstecken, jedenfalls gaben sie seltsam unaufgeregte, wenig euphorische Punkte in der Folge. Am Ende war ich tatsächlich immer noch zweiter und hatte diese Vorrunde überlebt. Kondolieren möchte ich an dieser Stelle in erster Linie Lara Stoll und dem Team von Pauline Füg und Tobias Heyel, die es trotz sehr guter Leistung nicht geschafft hatten, sowie Team Tübingen und den anderen lieben Slammern. Aber es ging weiter. Der Song-Slam, wo ich zusammen mit Christian Meyer angemeldet war, sollte ja gestern noch steigen. Wir sangen das Wald-Lied und kamen prompt ins Finale. Dort musste ich alleine weiter singen, da Christian moderieren ging. Trotzdem überzeugte ich das Publikum, welches mich frenetisch zum Sieg klatschte. Immerhin hatte ich meinen lieben Kollegen als Geist an meiner Seite, er war die ganze Zeit da, umaurate mich (tolles Wort: umauraen). Jetzt haben wir die Chance, in einem Tonstudio in Berlin den Wald-Song aufzunehmen.

Letztes Ding so: Die Halbfinalauslosung war ein Eklat. Da dieses Jahr Teams und Einzelfinalisten zusammen auftreten, konnte es vorkommen, dass manche, welche in beiden Kategorien weiter gekommen sind, ins selbe Halbfinale kamen. So geschehen in drei Fällen, welche sogar im selben Halbfinale (1, 19.30 Ballhaus Naunynstraße) gegeneinander und ineinander auftreten. Schlechte Lösung. Vielleicht wäre es besser, keine Teams antreten zu lassen, die schon einen Einzelvertreter schicken. Das wäre der harte Weg. Jedenfalls kommentierte die versammelte Slamily, bzw. deren fundamentalistische Fraktion die gesamte Veranstaltung mit sarkastischen Sprüchen („Ich will zu meinem Team“) bzw. mit Schlachtrufen („Das ist eine Farce, das ist eine Farce, das ist, das ist, das ist eine Farce!“) und ich hatte sehr viel Sparce. Beim anschließenden Tanz allerdings war der Ärger verraucht und wir feierten bis in die Dämmerung. Es lebe das Leben. Ich slamme heute 21.30 im Festsaal Kreuzberg. Dort kenne ich bereits alle Tricks und Kniffe. Morgen mehr.

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