Kulturelle Bewegung in Görlitz

In den letzten zwei Tagen durften Stefan und ich gemeinsam mit dem befreundeten Schriftsteller Udo Tiffert drei Lesungen in Görlitz und Umgebung bestreiten. Markus Klose, der eben sein Abitur am Gymnasium Augustum macht, hatte gleich drei verschiedene Literaturveranstaltungen in Görlitz auf die Beine gestellt.

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Morgens lasen wir in der Aula seiner Schule und konnten Schüler wie Lehrer gleichermaßen für unsere Texte gewinnen. Stefan, der nach seiner Nachtschicht im Spätshop einen Zug zu spät eintrudelte, versöhnte das junge Publikum augenblicklich mit seiner nicht ganz jugendfreien Lyrik. Abends gab’s dann die fünfte Ausgabe der Reihe „Kulturm“, eines Open Mike, bei dem Schüler und Gastleser spontan ihre eigenen Texte vorstellen können. Einige wirklich talentierte Nachwuchsautoren unterhielten das junge Publikum aufs Angenehmste. Man hofft, dass sich auch Nachfolger für die Organisation der Veranstaltung finden. Wie üblich in ostdeutschen Kleinstädten, verabschieden sich fast alle Abiturienten in die weite Welt – kulturelles Engagement droht da mit jeder Schülergeneration aufs Neue von der Bildfläche zu verschwinden.

Am Tag darauf stiegen wir dann am Nachmittag beim Poetry Slam des Culture Movement Festivals auf die Bühne. Obwohl der Slam gut besucht war und begeistert aufgenommen wurde, blieb uns allen doch ein wenig Trübsinn im Herzen. Das Wort „tragisch“ wird sicher oft allzu leicht im Munde geführt, aber es scheint mir doch angebracht von einer gewissen Tragik des Ostens zu sprechen, wenn immer aufs Neue die engagiertesten und aufwändigsten Projekte nicht den verdienten Erfolg haben. Olympia, Kulturhauptstadt Europas … Und auch dieses Festival hatte trotz bunter Vielfalt von Erlebnismöglichkeiten und einem sehr geschmackvollen musikalischen Line-Up sichtlich weniger Besucher als erwartet. Schade drum! Am Berzdorfer See, einem gefluteten Tagebau, an dem das Festival in idyllischem Rahmen stattfand, wurde übrigens auch der Film Schröders wunderbare Welt gedreht. Ein tragikomischer Film über den ehrgeizigen Plan, das Restloch in ein Urlaubsparadies zu verwandeln, der natürlich ohne Erfolg bleibt. Wie der Film – zumindest an der Kinokasse – übrigens auch. Es ist zum Mäusemelken mit dem Osten.

Stefan und ich fuhren trotzdem nach drei gelungenen Auftritten zufrieden nach Hause. Stefans Laune wurde nur etwas getrübt, als er im 25. Jahrbuch der Lyrik blätterte und auf das Gedicht September-Elegien I von Durs Grünbein stieß. Unglaublich, da reimt doch dieser Georg-Büchner-Preisträger wirklich „Sex“ auf „Becks„! Hat dieser unverschämte Plagiator noch nie gehört, dass Stefan das alleinige Urheberrecht an diesem Reim hat?