Rückblick: 16. und 17.März (oder auch Februar..wo hab ich nur meinen Kopf?)

Sax Royal muss hinaus in die Welt, soviel ist sicher. So war uns die Einladung von Jaromir Konecny (Alter Slamgott) zu seiner Lesebühne Schwabinger Schaumschläger Show am Sonntagabend guter Anlass, unsere Netze auch in den Westen Deutschlands auszuwerfen (und reiche Beute einzufahren). Micha Bittner und Julius Fischer fuhren denn Samstag schon nach München, gute Laune auf den Lippen und kesse sächsische Sprüche um uns werfend, so dass eine Frau uns gegenüber irgendwann die Flucht ergriff. Dabei diskutierten wir, in rüdem Salonsächsisch, die großen Themen der Weltliteratur. Goedhe und sou.

In München wollten wir uns Samstag Abend bei der Kiezmeisterschaft, dem kleineren Poetry Slam der Residenzstadt, schon mal wie ä bissl warm schießen, 50 Euro war der Gewinn, den wir, sollte einer von uns der glücklich erwählte Sieger sein, herkunftsbedingt teilen wollten.

Gesagt getan, wer Lust hat, den Abend Revue passieren zu lassen, sollte unbedingt Ko’s oder Heiner Langes Slam Blogs lesen. Nur soviel, Michi gewann fulminant nach zwei Vorrunden, die irgendwie nach der ersten qualitativ schon vorbei waren, und einem Finale, das keinen Verlierer verdient hatte.

Wir saßen dann noch ein Weilchen und unterhielten uns mit Ko über dies und jenes, bis wir uns in die saukalte Münchner Nacht aufmachten. Unfassbar, wir stolperten selig, aber ohne unsere Gehirne zu spüren, über die Theresienwiese, womit wir uns nicht großartig von den alljährlichen Sauftouristen des Oktoberfestes unterschieden, gleicher Ort, gleicher Pegel, nur kälter.

Am nächsten Tag spielten wir, wie es sich für Dichter gehört, den ganzen Tag Fußball auf der Wii-Konsole. Bestes Spiel: Argentinien (von uns gesteuert) gegen Paderborn (Computer) 1:5.

Abends dann bei den Schaumschlägern, bestehend aus Jaromir, Michael Sailer und Moses Wolff, war es nicht voll wie die Hölle, aber sehr gute Stimmung. Irgendwie sind Michi und ich einfach die übelsten Sympathen. Unsere Texte zu den Themen Liebe, Hass, Bier, Kaffee, Lethargie, Sex, Verrückte und die Hände aufhaltende Ossis kamen gut bis sehr gut an. Nicht so gut an kam Markus Schmalzried beim Poetry Slam am vorigen Tag. Von 30 möglichen Punkten erhielt er von der Jury nur 5,6 (Fünf Komma Sechs – sic!), für seinen Versuch, Witze zu erzählen. Kleiner Auszug aus seinem Repertoire: „Der eingebildete Clown“

(Schmalzried auf die Bühne)

Ich bin als 12-jähriger sexuell missbraucht worden. Der Mann arbeitet jetzt bei der Kinderschutzorganisation. (Pause) Nee Quatsch, er ist jetzt Führ…Chef dort.

Machen wir mal ein bisschen Fragen, zuerst: Geschichte.

Wie hießen früher die Adligen? Kommt schon, wart ihr nicht in der Schule?

Euer Durchlaucht.

Und wie hießen Könige, die von der Guillotine geköpft wurden?

Euer Schnittlaucht.

Und wie heißen adlige Bären?

Euer Bärlaucht.

Und wie kann man die Leute in der DDR wieder in die Kirche bringen?

Bananen statt Hostien.

Natürlich liest sich das hier viel schneller, aber in Wirklichkeit hat er 5 Minuten dafür gebraucht und wurde von der Bühne gebeten, bevor er seine Riesenpointe rauskloppen konnte. So sind die Regeln.

Sein Wettbewerbsbeitrag rangierte bei uns allen unter den „Rotz 5“ des jemals Gehörten. Toll.

Bei den Schaumschlägern war die Qualität anhaltend angenehm, das Publikum hörte zu und nachher wurde wieder freudig getrunken. Vielleicht haben Michael und ich die Käseplatte ein wenig zu lange abgelehnt, da uns irgendwann, man möchte sagen, die feste Basis für das ganze Bier fehlte. Glücklicherweise wohnten wir über der Lach- und Schießgesellschaft, was ums Eck war, also konnten wir schnell die Flucht ergreifen, als es zu übel wurde. Wir schwärmten noch ein wenig bierselig, zuerst von der bezaubernden Kellnerin und charmanten Fahrtkostenabrechnerin Johanna (Herzliche Grüße) und später von Annamateur, deren Auftritt als Preisträgerin des Deutschen Kleinkunstpreises wir in der Wohnung vorm Fernseher bejubelten.

Jetzt sitzen wir im Zug mit einer Horde von, naja, Wirtschaftsstudenten oder so, die die ganze Zeit von irgendwelchen debilen Workshops erzählen und den Zug mit ihrer biederen Geschäftigkeit füllen. Geht doch Vorgärten anlegen, ihr Pisser.

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