Was macht eigentlich … Henry Nitzsche?

Manch einer, der sich am Schreibtisch vorm Computer langweilt, fällt gelegentlich auf den Gedanken, ziellos in dem riesigen virtuellen Archiv von Videos zu stöbern, das man unter dem Titel YouTube im Internet finden kann. Vielleicht treibt den einen oder anderen auch der Verdacht, man könnte dort auf intime Videos stoßen, in denen man unfreiwillig eine Hauptrolle spielt. Den sonderbaren Hobbyfilmer von gegenüber hat man ja schon lange im Verdacht. Wenn man Pech hat, stößt man aber auf noch viel Obszöneres, nämlich auf ein Video von Henry Nitzsche. Ich fand da jüngst durch einen unglücklichen Zufall die Aufzeichnung der Rede, in der Henry Nitzsche im Bundestag gegen den EU-Vertrag von Lissabon wetterte.

Sie erinnern sich noch an Henry Nitzsche? Sie wissen schon, das war der Lausitzer Christdemokrat, der in einer geschlossenen Parteiveranstaltung mutig trompetet haben soll, man müsse den deutschen „Schuldkult“ überwinden, damit nie wieder „Multi-Kulti-Schwuchteln“ in Berlin regieren. Als seine nicht eben überraschenden Äußerungen bekannt wurden, wurde er aus der CDU ausgetreten. Dabei hätte man wissen können, dass sich Henry Nitzsche wegen chronischen Ideenmangels gerne bei den Parolen anderer bedient. „Arbeit – Familie – Vaterland“, seinen Slogan zur Bundestagswahl 2005, hatte er sich schließlich auch schon von den französischen Faschisten ausgeborgt. Was könnte man auch dagegen sagen? Haben sie vielleicht etwas gegen die Arbeit? Gegen die Familie? Oder gegen das Vaterland? Mit derselben Logik könnte man freilich auch jemanden einen Schweinehund nennen. Was ist falsch an Schweinen? Oder Hunden?

Nun trat also – mit leichter Verspätung, denn es ist als Hinterbänkler ein weiter Weg nach vorn – der parteilose Abgeordnete Henry Nitzsche ans Rednerpult des Bundestages, um die Ehre des Vaterlandes zu verteidigen. Mit sachlichen Einwänden schlug sich der einzige Aufrechte auch gar nicht lange herum: Alle Abgeordneten, die dem EU-Vertrag zustimmten, missachteten den Willen des deutschen Volkes. Dieser Vertrag sei nichts anderes als ein neues Ermächtigungsgesetz. Die Mode der Vergleiche mit dem Dritten Reich hat inzwischen offenbar Vorschulniveau erreicht: Nazi! Selber Nazi! Mit dem Video, das sogar mit englischen Untertiteln kursiert, ist Henry Nitzsche jedenfalls zum Helden der neuen Rechten im Internet geworden. Der Mann, dem einst schon „der letzte Ali in der letzten Moschee“ bedrohlich vorkam, engagierte sich denn auch auf dem Kölner Kongress gegen „die islamische Erstürmung unserer Vaterländer“. Wenn eine Gegend von Islamisierung bedroht ist, dann ja wohl die Lausitz. Eine eigene Partei hat er inzwischen auch gegründet. Er nannte sie im Geiste christlicher Demut: „Bündnis Arbeit – Familie – Vaterland. Liste Henry Nitzsche“. Bei seiner Kandidatur für einen Landratsposten in der Lausitz erhielt er bei der letzten Kommunalwahl mehr als 13% der Stimmen. Deutschland ist noch nicht verloren.

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5 Kommentare

  1. Micha hat in diesem Kommentar den Henry nun wirklich nicht mit Samthandschuhen angefaßt. Ich kenne in persönlich. Was heißt persönlich? Zumindest so, wie ein Wähler eine Kandidaten bzw. einen Politiker eben persönlich kennt.
    Richtig ist, dass er so spricht wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Aber das tun andere Politiker auch.
    Ich denke da an Edmund Stiober. Er hat z.B. sinngemäß gesagt, dass die Ostdeutschen zu dumm sind das Kreuz an der richtigen Stelle zu machen. Das ist Lokalpatriotismus bzw. Wahlkampf!
    Na und? Viele sind der Meinung -ich auch-, dass Henry Nitzsche kein Nazi ist. Im Prinzip können die etablierten Parteien froh sein, dass es so einen Vogel gibt, wie Nitzsche. Viele wollen gerne wählen gehen. Aber nicht die Etablierten und auch nicht die NPD bzw. die Nazis wählen. Denen kommt doch der Nitzsche gerade recht. Wenn es ihn nicht gebe, dann würde die NPD vielliecht nicht bei 10 % sondern bei 15 % liegen. Ob ich ihm meine Stimme gebe, liegt ganz bei ihm allein.

    Ich werde jeden Kandidaten fragen,
    ob er sich dafür einsetzen will,
    dass aufgeklärt wird, ob sich gegenwärtig gefälschte Gerichtsprotokolle im internationalen Rechtsverkehr befinden oder nicht?

    Aber das frage ich nicht nur ihn sondern alle Kandidaten. Und der, der diese Frage mit „Ja!“ beantwortet, erhält auch mein Vertrauen
    bzw. meine Stimme.

    ErhardJakob@vodafon.de
    Tel.: 0176 / 963 49 7 55

    Ps.: Bitte schauen sie auf
    „http://www.direktzu.de/blechinger/
    messages/18453“ und stimmen sie mit ab.

  2. Lieber Herr Jakob,

    sehen Sie, ich rede auch gerne, wie mir der Schnabel gewachsen ist! Dass Henry Nitzsche ein Nazi sei, habe ich nirgendwo geschrieben. Es ist besser, dass die Leute ihn und nicht gleich die NPD wählen? Dieses Argument scheint mir nicht die Logik auf seiner Seite zu haben.

  3. Hallo, ich möchte hier nur kurz einen Kommentar zum Thema abgeben, ich habe allerdings zu erst das Video im Internet gesehen und bin danach eher zufällig auf diesen Artikel gestoßen, dass was Henry Nitzsche sagt ist aus dem Grund interessant da es die negativen Eigenschaften des neuen EU-Vertrages ans licht bringt oder hat irgendjemand bisher großartig aus den TV-Nachrichten oder den Tageszeitungen erfahren das mit diesem Vertrag sozusagen ein Großteil des Grundgesetztes außer kraft gesetzt wird, das es vermutlich der Grundstein für eine Zentral-Europäische Verwaltung ist? Wohl kaum.

    Außerdem finde ich es bemerkenswert das in Deutschland (das konnte mal allerdings in TV und Tageszeitungen verfolgen) der Vertrag nicht von den Bürgern akzeptiert wird sondern von den Parteien, das man seinen Bürgermeister oder Landrat persönlich wählen kann steht meiner Meinung nach außer Frage aber das man die Obersten Politiker wählen oder durch seine stimme Kontrollieren kann stimmt nicht deshalb ist es auch nicht richtig das diese Personen solch einen wichtigen Vertrag „im Namen des Volkes“ unterschreiben dürfen.

    Nun zu Henry Nitzsche, zugegeben ich kannte diesen Mann nicht, genauso wie man die wenigsten Personen im Bundestag kennt und im Video kommt er mir eindeutig zu Radikal für einen normalen Politik rüber, einige seiner Begründungen gegen den EU-Vertrag kann ich verstehen bzw. habe sie vorher auch schon so gesehen, allerdings ist dieser Mann nicht der Mann dem ich (wenn überhaupt) meine Stimme geben würde, dafür ist er mir eindeutig zu National.

    Gruß K. Jessen

  4. Lieber Micha,

    ich habe und werde Henry N., weder der NPD zuordnen och werde ich ihn in die extrem rechte oder linke Ecke stellen.

    Er steht für viele Wähler, welche Protest wählen wollen, an erster
    Stelle.

    Das gilt für die rechten Protestwähler
    und genauso für die linken Protest- wähler.

    Zur Zeit bemüht er sich um einen Platz
    als Direktkandidat für die Wahlkreis 156. Wie weit seine Bemühungen fortgeschritten sind, weiß ich nicht.

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